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Selbstannahme

Stephanie Hanna zu Thun und Lassen

Mit Textbeiträgen von / With text contributions by:
Marina Velez Vago, Alexine Chanel, Ann Wertheimer, Fred Dewey und dir / and you

Selbstannahme-StephanieHanna-DonauEckeGanghofer_48StundenNeukölln

Selbstannahme
Foto: Stephanie Hanna

(English version below, und noch mehr Infos noch weiter unten)

Die Selbstannahme befindet sich direkt neben der Warenannahme auf der Rückseite vom Schnäppchencenter im Schaufenster Donau Ecke Ganghofer. Dort ist die jetzige Installation jederzeit und für alle von aussen sichtbar – allerdings nur die Rückseite.

Am Samstag, den 24. Juni 2017 zwischen 14 und 18 Uhr bekommen zwölf Besucher*innen die Gelegenheit, das Fenster jeweils einzeln mit Stephanie Hanna zu Thun und Lassen zu betreten und auch die Vorderseite der Wand der Wandlung zu sehen: ein Kabinett unserer Einweggesellschaft und einer Welt, wo High Performance Endziel und Zeit Geld ist: Absolute Gegenwart.

Als Gegenleistung bittet die Künstlerin nur um die Transformation einer Schattenseite ihrer Gäste.

Rückfragen, Anmeldung und Terminvergabe per Email an
sh-att-stephaniehanna-dott-de
oder im Facebook Event als Kommentar in der Diskussion.

Mehr Hintergrund siehe weiter unten.

freie Termine:
(14:00 – booked)
14:20 – frei
14:40 – frei
15:00 – frei
15:20 – frei
15:40 – frei
16:00 – frei
16:20 – frei
16:40 – frei
(17:00 – booked)
(17:20 – booked)
17:40 – frei

Die Selbstannahme findet statt im Rahmen der
The Self-Acceptance is taking place in the context of
http://48-stunden-neukoelln.de/

SELF-ACCEPTANCE

The Self-Acceptance is located directly next to the acceptance of goods on the backside of the SchnäppchenCenter – the bargain center! – at Donau Ecke Ganghofer. The current installation is visible for everybody and at all times – but only from the back side.

Here, on Saturday, June 24 between 2 and 6 pm, 12 people will get the chance to see the current installation at Donau Ecke Ganghofer from the inside – that is, to see also the front of the Wall of Changes.

In return, you will be asked to verbally share a shadow part of your self, that your are willing to transform and leave behind anonymously in a writing on the window. The transformations will take place in one-on-one talks inside the window.

Visits can be arranged by emailing
sh-att-stephaniehanna-dott-de
or by commenting in the discussion of the facebook event. For the still available times, see list above.

And for more background on this project, please check out the German text below. You can also ask more in fb comments or by email .

BE THE CHANGE YOU WANT TO SEE

Die partizipative Installation „Selbstannahme“ befindet sich in einem großen und begehbaren Schaufenster direkt neben der Warenannahme eines Kaufhauses. Wenn wir als Menschen in einer menschenwürdigen Art und Weise leben und überleben wollen, müssen wir im Großen wie im Kleinen die herrschenden Verhältnisse umwandeln – zum Beispiel zu kooperativen, teilhabenden Verhältnissen. Die Zeit der Beherrschung anderer ist vorbei – nur wer teilen kann, kann auch lieben.

DARE TO SHARE

Aber was kam zuerst, das Huhn oder der neue Mensch? Es ist aussichtslos, Veränderungen in „der Politik“ zu fordern und in den eigenen Strukturen doch die alten Machtspiele weiter zu führen. Macht ist verführerisch, es scheint am meisten für die Mächtigen. Und doch wollen wir uns auch ermächtigen, wollen unsere Handlungsfähigkeit kontinuierlich erweitern – aber bitte nicht auf Kosten von anderen, wie zum Beispiel der Textilarbeiter*innen in Bangladesh, wo unsere neue Klamotte herkommt, oder der Schildkröte auf Galapagos, die mit einem Plastikring um den Hals aufwächst und daran erstickt, bevor sie ausgewachsen ist, oder auf Kosten unserer mutierten Urenkel, die als Leibeigene der menschlichen Führungsroboter von Monsanto und Nestlé ihr Dasein fristen werden, wenn wir es nicht beizeiten schaffen, Nestlé und Monsanto und wie sie alle heißen zu entmachten.

DEPOWERMENT NOW

Aber wie und wo kann ich etwas bewirken?

TRUST YOUR SELF

Die Selbstannahme beginnt im eigenen Herzen und ist doch das Gegenteil von einem Rückzug ins Private. Wie ein ins Wasser geworfener Stein Wellen schlägt, so breitet sich auch unser innerer Zustand schon allein durch unsere Anwesenheit aus in unsere Umwelt. Jedes ich und alle seine Handlungen beeinflussen direkt die gesamte Mitwelt. Das ist unsere Macht. Die Entfaltung des eigenen Bewusstseins kann sich aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich unendlich ausdehnen und wachsen – im Gegensatz zu materiellen Ressourcen wie Kohle und Öl und nicht zuletzt auch unseren Körpern. Unser Bewusstsein ist unsere Macht. Es befindet sich in einem Kreislauf, vergleichbar mit Wasser können auch hier Verschmutzungen an vielen Orten und in vielen Situationen mitgenommen werden. Das regelmäßige Ausfegen unseres Seelenhaushaltes ist also die Basis für ein gesundes Wachstum unseres individuellen Bewusstseins, dass verwurzelt bleibt im Kollektiven, in einem Realitätsabgleich, ohne aus der materiellen Wirklichkeit verrückt zu werden.

DOUBT YOUR EGO

Doch wer macht das heute denn noch? Wer findet dafür die Zeit? Selbstannahme ist eine sehr aufwändige und selbstverantwortliche Arbeit, die uns kein Guru abnehmen kann. Die Wellness-Industrie bietet zwar einen zeitgenössischen Ablassschein – das ist aber wortwörtlich nur Schein. Selbstannahme ist nicht käuflich erwerbbar, sie erfordert viel Mut und mehr als Eigeninitiative. Wir werden immer wieder herausgefordert werden, über unseren eigenen Schatten zu springen.

LIVE YOUR TIME

Demzufolge kann diese partizipative Installation hierbei keine große Hilfe leisten. Vielleicht kann sie aber der einen oder dem anderen eine Anregung und einen Anlass der Selbstreflektion bieten. Und vielleicht können wir uns dabei im Gespräch begegnen und bei einander ein bischen Seelenstaub aufwirbeln.

Die Selbstannahme findet statt im Rahmen der 48 Stunden Neukölln 2017.